Das darwinistische Mem - die Folgen des evolutionären Denkens im Spiegel
| What | Meeting Work |
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| When |
Sep 09, 2006 from 09:30 am to 08:00 pm |
| Where | Frankfurt am Main, |
| Contact Email | jlein |
| Contact Phone | +49 (0) 69 - 25 75 4000 |
| Attendees | Bernhard Brandl, Jörg Brauns, Michael Gudo, Helmut Hille, Bertram Köhler, Hubert Meisinger, Frank Schwab, Clemens Schwender, Markus Preiter, Volker Pürschel |
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In unserer Tagung sollen verschiedene fachdisziplinäre Evolutionskonzepte vorgestellt und diskutiert werden. Zwei Fragen stehen dabei im Zentrum: Wie verändern evolutionäre Ideen unser Weltbild? Und was sind die Gemeinsamkeiten und Differenzen der jeweiligen evolutionären Konzepte?
Im Jahr 1859 verbreitete sich der Inhalt des Werkes „The Origin of Species“ von Charles DARWIN wie ein Lauffeuer, veränderte auf Anhieb die biologische Weltsicht der Menschen und begründete auf diese Weise die moderne Evolutionstheorie. Obwohl DARWIN die entscheidenden Ansätze für eine Erklärung der Artenvielfalt geliefert hatte, wusste er nur wenig über die eigentlichen Mechanismen, die einer Artbildung zugrunde liegen. Mit dem Aufkommen der Genetik wurden die von ihm angeschnittenen Fragen einer neuen Betrachtungsweise unterzogen. Mit der Vereinigung seiner Evolutionstheorie mit den Erkenntnissen der Zellforschung, Genetik und Populationsbiologie entstand die synthetische Evolutionstheorie bzw. der Neodarwinismus.
Die Evolutionstheorie hat unser Weltbild grundlegend verändert. Insbesondere die Idee einer intentionalen Schöpfung und Planung der Natur verlor dadurch ihre Plausibilität. Mit dem Aufkommen von Kreationismus und „Intelligent Design“ scheint der alte Konflikt zwischen Evolution und Schöpfungsglauben im neuem Gewand wieder aufzutauchen.
Der Begriff der Evolution hat mittlerweile, über die Grenzen der Biologie hinaus, Eintritt in viele wissenschaftliche Fachdisziplinen erhalten. Jedoch behandelt jedes Fach das Konzept Evolution anders. In den Fragen, welchen Stellenwert evolutionäre Gedanken einnehmen, ob sie mit den übrigen fachspezifischen Theorien in Einklang stehen und welche Kritik innerhalb des disziplinären Diskurses an sie herangetragen wird, sind große Unterschiede zu beobachten. Zudem stellt sich die Frage, ob die jeweiligen Fachwissenschaftler nicht teilweise völlig unterschiedliche Sachverhalte bezeichnen, wenn sie von Evolution sprechen. Hier setzt unsere Tagung an. Wir wollen die Frage nach dem Erklärungswert der Evolutionstheorie in einem interdisziplinären Kontext neu stellen. Was bedeutet Evolution heute? Und wie verändert sie unser Weltbild?
In den Natur- und Ingenieurwissenschaften fanden evolutionäre Konzepte regen Zuspruch. Chemiker und Physiker untersuchen die Evolution der unbelebten Materie noch vor dem Zeitraum der (belebten) Evolution, in der Informatik werden z.B. evolutionäre Algorithmen als Optimierungsverfahren verwendet.
Auch in der Philosophie hat der Evolutionsgedanke für Aufsehen gesorgt. Er bereitete den Boden für die zunehmende Akzeptanz naturalistischer Erklärungen für Geist und Bewusstsein. Der Philosoph Daniel DENNETT und der Hirnforscher Wolf SINGER verabschieden die Idee eines intentional und frei handelnden Individuums. Die möglichen Folgen für Ethik und Recht liegen auf der Hand. In Form der „evolutionären Ökonomie“ haben die Ideen der biologischen Evolution auch Eingang in die Wirtschaftswissenschaften gefunden. Eine wegweisende Idee ist hierbei, dass durch freie Märkte eine Selektion unter konkurrierenden Produkten, Produktionsverfahren und Unternehmen stattfindet, in der sich ansprechende Produkte und effizientere Verfahren durchsetzen.
Die Sozialwissenschaften stehen einer evolutionären Erklärung sozialen Verhaltens noch immer weitgehend ablehnend gegenüber, da die Vorstellung des intentional handelnden Akteurs mit der Idee einer „blinden“ Evolution unvereinbar scheint. Dennoch gewinnen evolutionäre Ansätze – etwa in Form der Kooperationstheorie von Robert AXELROD und der sozialen Evolutionstheorie von Niklas LUHMANN – auch hier an Boden. Mit der Memetik ist zudem ein neuer Wissenschaftszweig aufgetreten, der die Domäne der Sozial- und Kulturwissenschaften revolutionieren möchte. So wie in der biologischen Evolution die Gene die Träger der genetischen Information sind, werden kulturelle Replikatoren, die sogenannten „Meme“, als Träger der sozialen Evolution ins Spiel gebracht. Dieses, vom Biologen Richard DAWKINS entwickelte, Konzept wurde mittlerweile spezifiziert und weiterentwickelt. Doch ist die Idee des „Mems“ mehr als eine Metapher?
Hier schließt sich der Kreis unserer Tagung: Wie hat sich die Idee der Evolution, das „darwinistische Mem“ entwickelt und welche Variationen haben sich in den einzelnen Fachwissenschaften herausgebildet? Und wie verändert dieses Konzept unser Denken über die Wissenschaft hinaus?
Wenn Sie sich für unsere Tagung - als Referent oder Zuhörer - anmelden möchten, können Sie unser Online-Anmeldeformular nutzen. Unsere Tagungsgebühr beträgt 30 Euro (Studierende: 10 Euro). Getränke, Speisen und Snacks sind dabei inklusive. Für unsere Referenten entfällt die Tagungsgebühr.
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