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HyperKult 17 »Ordnungen des Wissens«

What Convention
When Jul 03, 2008 12:00 AM to
Jul 05, 2008 12:00 AM
Where Lüneburg, DE
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by Martin Bachwerk last modified Jan 18, 2009 01:58 PM

Fachgruppe »Computer als Medium« im Fachbereich »Informatik und Gesellschaft« der Gesellschaft für Informatik e.V.

Die Ordnung des Wissens wird mit und in Computern verwahrt. Börsennotierte
Unternehmen besitzen es, machen es profitabel zugänglich oder enthalten es
vor. Dabei geht es nicht um Zensur, wenn festzuhalten ist, dass die
Verfügung über das Wissen der Welt nunmehr außerhalb der Verantwortung
wohlmeinender Sachwalter wie Bibliothekarinnen oder Archivaren oder
professioneller Geheimhalter wie den Sicherheitsdiensten geraten ist. Was
Google und andere nicht anzeigen, wird heute nicht wahrgenommen und
existiert morgen ganz einfach nicht mehr. Und was sie findbar machen, ist
nicht mehr aus der Welt zu schaffen.
Es ist die Ordnung selbst, die sich verändert, ohne dass dies von denen zu
verhindern wäre, die noch zu Zeiten des Zettelkastens für das Wissen der
Welt oder dessen Verschluss zuständig waren.
Dabei träumten in den 60er Jahren noch so manche von einer aufgeräumten
Gesellschaft. Das Militär, Banken, Versicherungsfirmen und
Science-Fiction-Autoren erkannten das Potenzial der Computer, und auch der
Staat erhoffte sich eine effizientere Verwaltung seiner Bürger in
zentralisierten Datenbanken. Gegen diesen Willen zum Wissen wurden Gesetze
in Stellung gebracht, um die Menschen vor allzu zudringlichen linearen
Listen und binären Bäumen zu schützen. Der Glaube aber, Ordnung bedeute
Sicherheit, weht weiterhin durch die Büros der Innenministerien.
Inzwischen werden die Datensammlungen der Behörden übertroffen von denen der
Internet-Firmen, deren weltweit verteilte Datenbestände sich einer
öffentlich-rechtlichen Kontrolle systematisch entziehen. Das Problem ist
heute nicht mehr, Information zu erzeugen, sondern sie zu finden. Das WWW
ist der perfekte mathematische Baum, in dem jede Datei eine eindeutige
Adresse zugewiesen bekommt. Deshalb ist die Ordnung der Informationen bis
heute nur durch brute force aufzulösen, indem der digitale Bibliothekar bei
jeder Anfrage jedes Blatt seiner Bibliothek durchsucht,-- was jeden
Bibliothekar und auch alle zusammen schlicht überfordert und nur noch von
Serverfarmen unter erheblichem Kapitaleinsatz leistbar ist, was wiederum die
öffentliche Hand überfordert.
Und nicht jede gefundene Information darf behalten, geteilt, zitiert oder
genutzt werden. Die Ordnung des Wissens schafft Eigentumsverhältnisse und
Äußerungsdelikte, Meinungsfreiheiten und Pressezensur. Den Ordnungskräften
stellt sich eine Informationsguerilla entgegen, die Regeln unterwandert oder
Strukturen ins Unerträgliche vermehrt und dadurch hofft, durch das Raster zu
fallen. Und daneben wächst eine Wissensindustrie, die nach ihren eigenen
Regeln agiert.
Wir fragen daher: Welche Ordnungsstrukturen werden durch den Computer als
Medium geschaffen, welche in Frage gestellt? Wer kann noch Einfluss nehmen?
Was wird mit Computern geordnet und was entzieht sich diesen Bemühungen?
Welche Wünsche und Ängste verbinden sich mit Ordnungen? Welche Rolle spielt
Ordnung in der Kunst? Welchen Wert bekommt die Unordnung in der digitalen
Welt?

Programmkomitee
Lena Bonsiepen
Wolfgang Coy
Rolf Großmann
Jochen Koubek
Andreas Möller
Claus Pias
Martin Schreiber
Georg Trogemann
Cornelia Vismann
Martin Warnke

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